Warum das mehr ist als Fleißarbeit

In einem Bestandsprojekt fanden wir für ein einziges Ersatzteil sieben unterschiedliche Materialnummern im System – angelegt von sieben verschiedenen Kollegen über zwölf Jahre. So etwas passiert nicht aus Nachlässigkeit. Es passiert, weil niemand eine verbindliche Regel hatte, bevor er ein neues Teil anlegt. Die Folge: Bestellungen laufen doppelt, Lagerbestände wirken höher oder niedriger als sie sind, und jede Auswertung muss erst mühsam bereinigt werden, bevor man ihr trauen kann.

Die Checkliste

In dieser Reihenfolge lässt sich eine Bereinigung im laufenden Betrieb sauber durchziehen.

1. Ist-Zustand erfassen

Vollständigen Export aller Materialstammsätze ziehen und mit den tatsächlichen Bewegungsdaten der letzten zwei bis drei Jahre abgleichen. Häufig zeigt sich schon hier: Ein Drittel der Sätze wurde seit Jahren nicht mehr bewegt.

2. Dubletten identifizieren

Nicht nur nach identischer Bezeichnung suchen, sondern auch nach ähnlichen Maßen, Herstellerangaben und Lieferantennummern. Die teuersten Dubletten sind selten die offensichtlichen.

3. Attribute vereinheitlichen

Einheiten, Schreibweisen und Klassifizierung auf einen gemeinsamen Standard bringen. Ohne dieses Fundament lässt sich später keine verlässliche Auswertung mehr fahren.

4. Verantwortlichkeiten klären

Festlegen, wer neue Materialstammsätze anlegen darf und wer sie freigibt. Ohne diese Klärung wächst die nächste Dublettenwelle bereits während der Bereinigung nach.

5. Bereinigungsregeln festlegen

Eine kurze, verbindliche Namens- und Mengeneinheitenkonvention reicht meist aus – wichtiger als Vollständigkeit ist, dass sie im Alltag tatsächlich angewendet wird.

6. Bereinigung technisch umsetzen

Korrekturen in kleinen, nachvollziehbaren Batches einspielen, nicht als einmaligen Großeingriff. So bleibt jeder Schritt rückverfolgbar, falls doch mal etwas korrigiert werden muss.

7. Neuanlage-Prozess absichern

Ein Vier-Augen-Prinzip für neue Materialstammsätze einführen. Das ist der Schritt, der aus einer einmaligen Aufräumaktion einen dauerhaften Zustand macht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Materialstammdatenbereinigung im Mittelstand?

Für ein einzelnes Lager mit einigen Tausend Materialstammsätzen sind es meist zwei bis sechs Wochen, je nachdem wie viele Systeme und Standorte beteiligt sind. Der eigentliche Zeitfresser ist selten die Technik, sondern das Zusammentragen von Wissen aus verschiedenen Abteilungen.

Muss das ERP-System dafür stillstehen?

Nein. Die Analyse läuft auf einem Export, die eigentliche Korrektur wird in der Regel in kleinen Batches außerhalb der Kernarbeitszeiten eingespielt. Ein Produktivsystem muss dafür nicht angehalten werden.

Was kostet eine Materialstammdaten-Bereinigung?

Das hängt stark vom Umfang ab. Als Orientierung: Ein Projekt mit klar abgegrenztem Warenbereich liegt oft im Bereich ab 1.700 Euro, größere Bereinigungen über mehrere Werke entsprechend höher.

Reicht es, die Dubletten einmalig zu bereinigen?

Nein. Ohne verbindliche Regeln für die Neuanlage wächst die nächste Welle an Dubletten meist innerhalb weniger Monate nach. Der letzte Schritt der Checkliste – der abgesicherte Neuanlage-Prozess – ist deshalb kein optionaler Zusatz, sondern der Teil, der die Bereinigung dauerhaft macht.

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